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[ #Deserteurslied ] O König von Preußen (Text - Noten - Hintergründe)

Dieses Soldaten- und Klagelied aus dem Preußen des 18. Jahrhunderts lässt den Jammer, die Eintönigkeit, Armut und Willkür des Soldatsein im Absolutismus erleben, versetzt den Hörer historisch in die Perspektive "kleiner Leute" und lässt Lieder als ein Mittel der psychischen Entlastung und Kritik erfahren.
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Bundeslied des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins: Bet und arbeit ...


Seit den 1860er Jahren unterstützte Georg Herwegh zunächst den von Ferdinand Lassalle gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein und ab 1869 den linken Flügel der deutschen Arbeiterbewegung, die von Bebel und Liebknecht gegründete Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Als am 23. Mai 1863 der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) gegründet und Ferdinand Lasalle zum ersten Präsidenten gewählt wurde, bat er den Dichter Georg Herwegh um ein "kämpferisches und zugkräftiges" Bundeslied.


Es ist das erste Lied der politisch organisierten deutschen Arbeiterbewegung! Die Worte Herweghs, des Dichters der 1848er Revolution, wurden mehrere Male vertont, unter anderem auch von dem bekannten Dirigenten Hans von Bülow 1863, der die Melodie unter dem Pseudonym "W. Solinger" veröffentlichte. Seine Melodie konnte sich jedoch nie durchsetzen. Meistens wurde es nach der Melodie von "Schleswig Holstein stammverwandt" gesungen.

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Vorarlberger Naturfreunde: Kulturwanderung: 25. April
25.4.09/25.4.12/

Arbeitermarseillaise: Geschichte, Texte, Noten, Hntergründe

Die Marseillaise entstand ursprünglich als politisches Lied gegen die österreichische Intervention in Frankreich und war so populär, dass man sie am sechsten Jahrestag des Sturmes auf die Bastille, am 14. Juli 1795 zur Nationalhymne erhob. Ein Symbol für die bürgerlichen Freiheiten ist die Hymne bis heute.

Symbole. Die Welt des Politischen hat immer auch eine äußere, symbolische Seite. Das zeigte sich während der Französischen Revolution in groß angelegten Inszenierungen hochoffizieller Zeremonien bis in die alltäglicheren symbolischen Ausdrucksformen wie Kleidung, Zeitrechnung, Sprache ebenso wie in den Bilderwelten der Graphik und Malerei. Hatten einzelne Symbole, die in der revolutionären Praxis "erfunden" wurden, an Popularität und Bekanntheitsgrad gewonnen, wurden sie von offizieller Seite aufgenommen und teilweise zur gesetzlichen Pflicht gemacht, wie etwa das Tragen der Kokarde. Während die meisten Revolutionslieder die Zeit der Revolution im kollektiven Gedächtnis nicht überdauerten, schaffte es die Marseillaise zu einem der tragenden Symbole der französischen Nation zu werden.


Volkslied & Hymne. Es ist selten, dass politische Kunst sich so schnell durchsetzt und dazu auch alle Stürme überdauert. Als die Frage der Kriegserklärung an die Habsburgermonarchie im Frühjahr 1792 immer drängender wurde, sprachen sich die girondistischen Zeitungen "Chronique de Paris" und "Courrier" für die Förderung von Kriegsliedern, die den Enthusiasmus der Truppen stärken sollten, aus. Der "Courrier" veranstaltete einen Wettbewerb für das beste Lied, dem sich sogar die den Radikalen nahe stehende Zeitung "Révolutions de Paris" anschloss. Vor allem die Girondisten drängten auf einen raschen Kriegsbeginn. Aber bei Kriegsbeginn (20. April 1792) war noch immer keine geeignete Kampfeshymne gefunden worden. Ihr Schöpfer, der Offizier Claude-Jospeh Rouget de Lisle, soll das Lied in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1792 während seiner Einquartierung im Hause des Straßburger Bürgermeisters Dietrich auf dessen Anregung hin komponiert und getextet haben. Rouget de Lisle als gemäßigter Anhänger der Monarchie hatte das Lied für die Soldaten des Königs geschrieben.

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Rouget de Lisle (1760-1836) und die Marseillaise

Auch Stefan Zweig schildert in seinen "Sternstunden der Menschheit", wie in der Nacht auf den 25. April 1792 der Pionier-Hauptmann Claude-Joseph Rouget de Lisle auf Anordnung des Straßburger Bürgermeisters ein Kriegslied für die Rheinarmee textet und komponiert. Die Errungenschaften der Französischen Revolution sind gegen die absolutistischen Feinde Preußen und Österreich zu verteidigen. Rouget fristete in der Folge ein erfolgloses Leben als Notenkopist. Der Versuch einer Hymne für Napoleon "Chant des Combats" misslang. Das Stück fiel bei seiner Aufführung in der Pariser Oper am 3. Jänner 1800 durch. Claude-Joseph wurde 1760 im Jura geboren. Um ihm den Besuch der Militärschule zu ermöglichen, nahm seine Familie das Adelsprädikat "de Lisle" an. Schon früh begann er Verse zu schreiben, darunter auch einen Hymnentext "Gott bewahre den König", der sehr an das seit 1745 bekannte "God save the King" erinnert, das ja auch der österreichischen Kaiserhymne als Vorbild gedient hatte. Claude-Joseph Rouget de Lisle starb im Jahre 1836 in Choisy-le-Roi.

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Audiofassung der Marseillaise - Text & deutsche Übersetzung, Notenblatt

Kriegsgesang. Das Lied hatte ursprünglich den Titel "Kriegslied der Rheinarmee" (Chant de guerre pour l'armée du Rhin) und wurde rasch im ganzen Land bekannt. Innerhalb weniger Wochen wurde die "Hymne des Marsaillais" im Elsaß in handschriftlicher oder gedruckter Form verbreitet und danach von zahlreichen Pariser Verlegern aufgegriffen. Da die ersten Auflagen anonym erschienen, wurde zunächst bezweifelt, dass Rouget de Lisle, ansonsten angeblich nur ein mittelmäßiger Dichter, dieses Lied verfasst hatte. Es hat dem politisch gemäßigten Künstler während der Revolutionswirren, der Zeit der Terreur wohl auch wegen der Bekanntheit und Beliebtheit seiner Komposition Leben und Freiheit gerettet.

Der Text, in dem die "Enfants de la patrie" (Kinder des Vaterlandes) den gesichtslosen, blutrünstigen Soldaten der Tyrannei gegenübergestellt werden, ist düsterer als jener des Ça ira, der den anfänglichen Optimismus der Revolutionäre ausdrückt. Ça ira (franz. wörtlich: es wird gehen, im übertragenen Sinn: Wir werden es schaffen) bezeichnet den Beginn eines Kampfliedes aus der Zeit der Französischen Revolution, das während des Föderationsfestes vom 14. Juli 1790 entstand. Es rief zum Kampf gegen Aristokratie, Klerus und Adel auf.

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Die Symbole der französischen Republik

In der Marseillaise werden die Feinde als Sklaven verschwörerischer Despoten bezeichnet. Bezeichnend sind auch die häufig vorkommenden Blut und Boden-Metaphern. So das Ende der ersten Strophe - Qu'un sang impur abreuve nos sillions (dass unreines Blut unsere "Ackerfurchen" tränke) oder in der 4. Strophe - S'ils tombent nos jeunes héros, La terre en produit de nouveaux (Wenn unsere jungen Helden fallen, wird die Erde neue erschaffen). Die Nation wird hier mit der zu verteidigenden Heimaterde gleichgesetzt. Der Begriff der Freiheit wird in der letzten Strophe hervorgehoben und als Kampfgefährtin besungen - Liberté, liberté chérie, combats avec tes défenseurs (Freiheit, geliebte Freiheit, kämpfe mit deinen Verteidigern). Der Chant de guerre suggestiert eine von den Häschern der Tyrannei bedrohte Heimat, die unter großen Kraftanstrengungen, schlussendlich mit Hilfe der Freiheit siegreich verteidigt werden wird.

Ein Armeegeneral des Ägyptenfeldzugs, François Mireur, der nach Marseille gekommen war, um den gemeinsamen Marsch der Freiwilligen von Montpellier und Marseille zu organisieren, veröffentlichte es unter dem Titel Kriegslied der Grenzarmeen. Die Truppen von Marseille übernahmen es dann als Marschlied. Diese föderierten Truppen aus Marseille - die sich später am Sturm auf die Tuilerien beteiligten - übernahmen das Lied als Marschlied und stimmten es bei ihrem Einmarsch in Paris am 30. Juli 1792 an. Die Pariser benannten es daraufhin nach dem Herkunftsort der Soldaten.

Die Marseillaise war so populär, dass man sie am sechsten Jahrestag des Sturmes auf die Bastille, am 14. Juli 1795 zur Nationalhymne erhob. Auf den Tag genau 120 Jahre später, - der erste Weltkrieg tobte und da eignete sich das Datum - am 14. Juli 1915, wurde die Urne von Rouget de Lisle in den Invalidendom überführt. Unter Napoleon war allerdings wieder Schluss mit der Marseillaise. Erst in der Julirevolution 1830 wurde sie wieder in den Straßen von Paris gesungen. Dabei entdeckte man, dass der Komponist Rouget de Lisle verarmt und von einem Schlaganfall gelähmt bei einem alten Regimentskameraden wohnte. Bürgerkönig Louis Philippe war klug genug, ihm das Kreuz der Ehrenlegion zu verleihen und eine kleine Pension auszusetzen – die Marseillaise als Nationalhymne mochte er aber auch nicht. Er gab ein neues Lied in Auftrag, die so genannte "Parisienne", die jedoch so langweilig war, dass kein Mensch sie singen wollte.

In der Revolution von 1848 und beim Aufstand der Pariser Kommune 1871 erlebte die Marseillaise jeweils eine Auferstehung, wurde aber nach kurzer Zeit wieder verboten, weil ihr noch immer der Geruch der Revolution anhaftete. Anlässlich der Eröffnung der Pariser Weltausstellung im Jahr 1878 gab der Präsident MacMahon bei Charles Gounod eine Hymne mit dem Titel "Vive la France" in Auftrag, die denn auch bei allen feierlichen Gelegenheiten gespielt wurde. Doch der Wille des Volkes war stärker: Jedes Mal, wenn Gounods Lied zu Ende war, stimmten die Zuhörer lautstark die Marseillaise an. Nach heftigen Diskussionen in der Französischen Nationalversammlung wurde sie dann im Jahr 1879 zur offiziellen Landeshymne erklärt.

Es gab in der ursprünglichen Anwendung keine einheitliche Fassung der Marseillaise, die bereits zu Beginn in verschiedenen Formen mit oder ohne Gesang vertont wurde. 1879 wurde die Marseillaise zur Nationalhymne erklärt, ohne dass man sich für eine bestimmte Fassung entschieden hatte. Wenn sie gleichzeitig von verschiedenen Musikverbänden gespielt wurde, herrschte deshalb oftmals eine große musikalische Unordnung. Eine 1887 eingesetzte Kommission von Berufsmusikern legte eine offizielle Fassung fest, nachdem sie den Text und die Melodie umgeändert hatte.

Unter der ersten Republik gehörte die Marseillaise zu den Volksweisen und -liedern, die zum Erfolg der Revolution beigetragen haben. Die Marseillaise, die in der Zeit des Empire und der Restauration verboten war, kam während der Revolution von 1830 zu neuen Ehren. Hector Berlioz komponierte eine Orchesterfassung, die er Rouget de Lisle widmete. Die III. Republik (1879) machte die Marseille zur Nationalhymne; und 1887 nahm das Kriegsministerium nach Anhörung einer Kommission eine "offizielle Fassung" an. Im September 1944 wurde durch einen Runderlass des Erziehungsministeriums angeordnet, dass die Marseillaise in sämtlichen Schulen gesungen werde, "um unsere Befreiung zu feiern und unserer Märtyrer zu gedenken". In den Verfassungen von 1946 und 1958 (Artikel 2) wurde die Marseillaise als Nationalhymne beibehalten. Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing wollte, dass man die Ausführung der Marseillaise wieder verstärkt der ursprünglichen Fassung anpasste und ließ deshalb deren Rhythmus verlangsamen. Ab 1981 jedoch wird die Hymne wieder nach den vor 1974 gespielten Partituren und Rhythmen interpretiert.

Anwendungen. Die mit der Republik und Revolution verbundene Symbolik der Marsailles wurde auch von anderen politischen Gruppen genutzt. So gibt es eine "Deutsche Arbeiter-Marsailles" im Jahre 1864 von Jakob Audorf für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV, die zur Melodie der Marseillaise geschrieben und am Begräbnistag von Ferdinand Lassalle noch im Refrain umgeschrieben wurde ("Der kühnen Bahn nun folgen wir, die uns geführt Lassalle!") oder die Fassung von Ferdinand von Freiligrath aus dem Jahre 1848, die auch im amerikanischen Bürgerkrieg von den deutsch-amerikanischen Soldaten von August Willich's Brigade beispielsweise nach der Shiloh Schlacht (1861) gesungen wurde.

Trotz des Scheiterns der Revolution von 1848 hatte die Arbeiterbewegung in den folgenden Jahrzehnten steten Zulauf. Ein wichtiges Mittel um auf sich aufmerksam zu machen war dabei das Arbeiterlied, denn bei allen öffentlichen Gelegenheiten ­ ob Demonstrationen und Protestmärsche, Feiern oder Begräbnisse von bedeutenden Arbeiterführern ­ wurde publikumswirksam gesungen, zum Beispiel die "Arbeitermarseillaise". Das Singen von Arbeiterliedern war Teil einer "alternative culture" von links: in Opposition zur bürgerlichen Kultur schuf sich die Arbeiterbewegung eigene Traditionen und Rituale. Die in der sozialdemokratischen Partei organisierten Arbeiter beteiligten sich auch nicht am   "Hurra­Patriotismus", der mit der kriegerischen Reichsgründung in den Jahren 1870/1871 Einzug hielt. Anstelle patriotischer "Sedan­Feiern" (in Bezug auf die Eroberung der strategisch wichtigen französischen Festung Sedan) richteten die Arbeiter "Märzfeiern" aus, die sich gleichzeitig auf den Beginn der Revolution im März 1848 in Berlin bezogen und auf den Beginn des Pariser Kommune­Aufstandes im März 1871.

Ferdinand Freiligrath erscheint uns heute  als ein konservativer Literat und Lyriker, dessen Verszeilen uns auf den ersten Blick geschwulstig und komisch erscheinen, der aber umgekehrt Teil des Vormärz und der deutschen Revolutionen war und wegen seiner Veröffentlichungen immer wieder aus Deutschland emigrieren musste.

Arbeiter-Marseillaise 

Frisch auf zur Weise von Marseille, frisch auf ein Lied mit hellem Ton!
Singt es hinaus als die Reveille der neuen Revolution!
Der neuen Revolution!
Der neuen, die mit Schwert und Lanze die letzte Fessel bald zerbricht
Der alten, halben singt es nicht!
Uns gilt die neue nur, die ganze!
Die neue Rebellion! Die ganze Rebellion!
Marsch! Marsch! Marsch! Marsch!
Marsch - waer's zum Tod! Und unsre Fahn' ist rot!

Der Sommer reift des Frühlings Saaten, drum folgt der Juni auf den März.
O Juni, komm und bring uns Taten! Nach frischen Taten lechzt das Herz!
Lass' deine Wolken schwarz sich ballen,
Bring uns Gewitter, Schlag auf Schlag!
Lass' in die ungesühnte Schmach
Der Rache Donnerkeile fallen!
Die neue Rebellion! Die ganze Rebellion!
Marsch! Marsch! Marsch! Marsch!
Marsch - waer's zum Tod! Und unsre Fahn' ist rot!

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17.4.08/5.2.2012/

[ #Bürgerrechtsbewegung ] Leonhard Cohen: "Die Gedanken sind frei!"


Es ist für mp3-verwöhnte Ohren vielleicht nicht das ganz Wahre. Aber Live-Mitschnitte aus einem Deutschland-Auftritt im Jahre 1976, also vor rund vier Jahrzehnten, waren halt nicht besser. Leonhard Cohen interpretiert dort das Lied - ergreifend - in deutscher Sprache!





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Zu Straßburg auf der Schanz - Deserteurslied

Schweizer Reisläufer ueberqueren die Alpen. Nach der Eroberung von Cremona verlassen eidg. Söldner heimlich das frz. Heer und ziehen über das Gebirge nach Hause. 1513 (Diebold Schilling der Jüngere) Quelle: Wikimedia

Das Lied stammt aus der Spätzeit der Söldnerheere um 1790, als es in Frankreich ebenfalls noch das stehende Heer gab, das sich zumeist aus zwangsrekrutierten Soldaten zusammensetzte. Geschildert wird die Erschießung eines Schweizer Söldners, der zu den Preußen hatte überlaufen wollen. Noch heute stehen "Schweizer Söldner"  im Vatikan.
 
Originalfassung. Das Lied existiert in zwei Fassungen, die wesentlich durch die "Anklage-Strophe" des Deserteurs unterschieden sind. In der ältesten Überlieferung (fliegendes Blatt des ausgehenden 18. Jahrhunderts) wird der Corporal angeklagt, der den Deserteur vermutlich festgenommen oder angezeigt hat.

Text: Zu Straßburg auf der Schanz

Zu Straßburg auf der Schanz,
Da ging mein Trauern an;
da wollt ich den Franzosen desertiern
und wollt es bei den Preußen probiern
ei, das ging nicht an.

Ein Stund wohl in der Nacht
habens mich gefangen gebracht;
Sie führten mich vor des Hauptmanns Haus,
Ach Gott, was soll werden daraus,
Mit mir ist's aus.

Frühmorgens um zehn Uhr
Stellt man mich dem Regimente vor
da soll ich bitten um Pardon,
Und werd doch kriegen meinen Lohn,
Das weiß ich schon.

Ihr Brüder allzumal,
Heut' seht ihr mich zum letztenmal;
Unser Korporal, der gstrenge Mann
ist meines Todes Schuld daran
Das klag ich an.

Ihr Brüder alle drei,
ich bitt, schießt allzugleich
Verschont mein junges Leben nicht,
Schießt, daß das rote Blut rausspritzt,
Das bitt ich euch.

O Himmelskönig!
Nimm du mein Seel dahin,
Nimm sie zu dir in Himmel hinein,
alwo doe lieben Englein sein
Und vergiß nicht mein!

Text: unbekannter Autor, auf fliegenden Blättern , Ende des 18. Jahrhunderts


Glättung und Umdichtung. Alle anderen (und neueren)  Fassungen,  bringen entweder die Nachdichtung "Zu Straßburg auf der langen Brück" oder lassen die Corporal-Strophe aus oder ersetzen sie durch die Fassung mit dem Alphornmotiv, die in der ersten gedruckten Fassung des Liedes, im Wunderhorn, wohl als Umdichtung der Herausgeber erscheint. Hier wird nicht der Corporal angeklagt, sondern die heimweherzeugende Melodie des Alphorns, die den Deserteur verführt, von seiner Truppe wegzulaufen.

Der Schweizer

1. Zu Straßburg auf der Schanz,
Da ging mein Trauern an;
Das Alphorn hört' ich drüben wohl anstimmen,
Ins Vaterland mußt ich hinüberschwimmen,
Das ging ja nicht an.

4. Ihr Brüder allzumal,
Heut' seht ihr mich zum letztenmal;
Der Hirtenbub ist nur schuld daran,
Das Alphorn hat mir's angetan,
Das klag ich an.

Zu Straßburg auf der langen Brück'

Zu Strassburg auf der langen Brück
da stand ich eines Tags
nach Süden wandt ich meinen Blick
in grauem Nebel lag´s
Da dacht´ ich mir: Dahinter
liegt in wunderbarem Reiz
mit seinen Almen, seinen Höh´n
dein Vaterland, die Schweiz

Und wie ich's dacht, und wie ich's sann
da zog ein Knab' vorbei,
der blies in's traute Alpenhorn
der Heimat Melodei.
Da ward mir's kalt, da ward mir's warm
rasch sprang ich in die Flut,
hinauf den Rhein mit starkem Arm
schwamm ich in frischem Mut

Hätt' mich nicht der Sergeant gesehn
da hätt' es keine Not;
jetzt haben sie mich eingebracht
und schiessen heut' mich tot.
O liebe Herren, glaubt mir dies
mich zog ein süsser Ton;
der Knabe, der das Alphorn blies
der trägt die Schuld davon

Nun führt hinaus mich vor das Tor
und messt die fünfzehn Schritt'
und schiesset wacker, doch zuvor
gewährt mir eine Bitt':
Blast mir das Alphorn noch einmal
in wunderbarem Reiz
und darin grüsst mir vieltausendmal
mein Heimatland, die Schweiz

Text: Salomon Mosenthal , vor 1847 (1821-1877)

Verschleierung. Die Corporal-Strophe als sozialkritische Anklage wurde zugunsten der den Sachverhalt poetisch verschleiernden, ideologisch unverdächtigen Alphornfassung im 19. Jahrhundert systematisch unterdrückt. In den Schul- und anderen Gebrauchsliederbüchern des 19. und 20. Jahrhunderts spielt das Lied in der Alphornfassung, versteht sich, eine bedeutsam Rolle. Allerdings lässt auch diese Fassung eine Frage offen: Was ist das für ein Sinn, einen Menschen wegen Heimwehs umzubringen?

Heimweh ist eine Schweizer Krankheit.  Der Elsässer Mediziner Johannes Hofer war der Erste, der 1688 in seiner Basler Dissertation De Nostalgia vulgo Heimwehe das Problem des Heimwehs erkannte und es zum Status einer Krankheit erhob, die fortan auch „Schweizerkrankheit“ genannt wurde. Symptome waren Entkräftung und Fieber bis hin zum Tod; eine Heilung konnte nur in der Heimreise bestehen.

Dass sich die Schweizer überhaupt so fern von ihrer Heimat befanden, lag an dem regen Handel mit schweizerischen Söldnern, die seit dem 13. Jahrhundert gegen "Provision" an den König von Frankreich und andere Länder verkauft wurden. Dieser als Reislauf bezeichnete Menschenhandel bildete für die Kantone eine wichtige Einnahmequelle. Das mittelhochdeutsche Wort Reis bedeutet hierbei den Aufbruch, das Fortbewegen oder Reisen, in diesem Zusammenhang die Kriegs-Reise, den Kriegszug. Die Schweizer waren also stärker und früher als andere Völker ihrer Heimat entrissen.

Die grosse Zeit der Reisläufer waren die Kriege um das Herzogtum Mailand um 1500. Die Schweizer Schlachten in Italien zählen mit zu den blutigsten Gemetzeln, die sich Söldnerheere je lieferten, wobei nicht selten auf beiden Seiten Schweizer Söldner standen. Eine Wende brachte die Reformation:  In reformierten Kantonen wie Zürich waren Gewerbe und Handel weiter fortgeschritten als in den katholischen Kantonen. Es machte hier wirtschaftlich wenig Sinn, kräftige junge Männer gegen Pensionen ins Ausland zu schicken, um sie als Söldner für auswärtige Mächte töten oder verkrüppeln zu lassen.

Der Zürcher Reformator Zwingli konnte daher 1519 die Abschaffung des Reislaufs in Zürich erreichen. Er verwendete in seinen berühmten Predigten gegen den Solddienst 1525 das Bild von den roten Hüten und Mänteln der römischen Kardinäle. Wenn man sie schüttle, fielen Dukaten und Kronen, wenn man sie auswinde, rinne das Blut der Söhne, Brüder, Väter und Verwandten heraus. Während die Pensionenherren und Hauptleute selbst in Seide, Silber, Gold und Damast aufträten, donnerte Zwingli, verkauften sie ihre Landsleutewie Vieh nach Italien. Weitere Kantone folgten, bis 1859 schließlich ein Bundesratsbeschluss den Reislauf in der gesamten Schweiz verbot. Davon übrig geblieben ist bis heute nur die Schweizer Garde des Vatikans

Die Schweizergarde und die amtliche Schweiz. Nach vatikanischem Recht ist die Schweizergarde eine militärische Formation. Nach einem Beschluss des schweizerischen Bundesrates ist sie eine Hausgarde mit rein polizeilichem Charakter. Diese Deutung bewahrt die Angehörigen der Garde davor, gegen das Militärgesetzbuch zu verstossen, das den Militärdienst für das Ausland unter Strafe stellt. Offiziell halten sich die Gardisten privat in Rom auf. Ihr Dienst wird in keiner Weise als Teil der obligatorischen Militärpflicht angerechnet. Folgerichtig bezahlen sie während dieser Zeit die schweizerische Militärpflichtersatzabgabe.

Soziales Leid ⇔ Soziales Lied ⇒  

Trotz alledem!

Ferdinand Freiligrath erscheint uns heute als ein konservativer Literat und Lyriker, dessen Verszeilen uns auf den ersten Blick geschwulstig und komisch erscheinen, der aber umgekehrt Teil des Vormärz und der deutschen Revolutionen war und wegen seiner Veröffentlichungen immer wieder aus Deutschland emigrieren musste.

Ferdinand Freiligrath. Er gehörte im 19. Jahrhundert in den Kreis der populären und liberalen Freigeistern in einem feudal-restaurativ geprägten Deutschen Reich. Er kannte Karl Marx, Kerner, Hoffmann von Fallersleben und zählte viele andere bedeutende Denker der Zeit zu seinen Freunden.

Ferdinand Freiligrath (1810-1876), deutscher Lyriker und Übersetzer, der sich zunächst als Naturdichter, als "Löwendichter" einen Namen machte und deswegen sogar 1842 ein Ehrengehalt des preußischen Königs Friedrich Wilhelms IV. erhielt, auf welches er nach Kritik 1844 jedoch verzichtete. Er stand zunächst bewusst "über den Zinnen der Parteien" und somit etwa in Opposition zu seinem Kollegen Georg Herwegh, der sich als Dichter des aufkommenden Proletariats verstand. Politisiert wurde Freiligrath nicht zuletzt durch das Berufsverbot Hoffmanns von Fallersleben, mit dem ihn später eine jahrzehntelange tiefe Freundschaft verband.

Neue Rheinische Zeitung. 1845 schloss er Bekanntschaft mit Karl Marx und Franz Liszt, welche ihn in seinen demokratischen Bestrebungen bestärkten. Zeitweise – als Kaufmann auch aus beruflichen Gründen – immer wieder im Ausland, v.a. auch in England, war er 1848 Mitherausgeber der oppositionellen "Neuen Rheinischen Zeitung von Karl Marx und Friedrich Engels". Nach dem Scheitern der Revolution emigrierte er zeitweilig wieder nach London. Als Marx' "Neue Rheinische Zeitung" am 19. Mai 1849 ihr Erscheinen einstellen muss,. erscheint sie ein letztes Mal gänzlich in roter Schrift mit dem Gedicht Ferdinand Freiligraths (Mitglied des Bundes der Kommunisten) "Abschiedswort der Neuen Rheinischen Zeitung" an der Spitze.

Freiligraths Verhältnis zu Karl Marx und seiner Einschätzung des Kommunismus:
"Ich bin kein Communist, wenigstens nicht Communist von der enragirten Sorte, aber ich bin der Meinung, daß die neue Lehre, wenn sie auch nur einen Übergang vermitteln sollte, ein wesentlicher Fortschritt ist, uns daß sie, in der Humanität wurzelnd, mehr anregen, fördern und zuletzt zur Entscheidung bringen wird, als eine einseitig politische Anschauung. Ueber die Illusionen deutscher Constitutionen und Constitutiönchen sollten wir doch hinaus sein! Der Communismus wird eine Zukunft haben! Alle seine Träume werden nicht verwirklicht werden, aber wenn er auch, gleich dem Columbus, nicht in Indien landet, so wird er doch ein Amerika entdecken."

Trotz alledem. Freiligrath hatte sich nicht zuletzt auch als Übersetzer von Werken verschiedener französischer und englischer Dichter Renomée erworben, etwa von Gedichten und Liedern von Viktor Hugo und Alfred de Musset, aber auch des schottischen Nationaldichters Robert Burns "Trotz alledem" (1844) stellt eigentlich nur eine - wenn auch überaus gelungene – Eins-zu-Eins-Übersetzung des Liedes "A Man's A Man for A' That" von Robert Burns dar. Es wurde in der u.a. von Karl Marx herausgegebenen "Neuen Rheinischen Zeitung" abgedruckt und zu der aus dem 18. Jahrhundert stammenden schottischen Melodie "Lady Mackintosh's Reel" des schottischen Nationaldichters Robert Burns gesungen. Besonderer Anlass: "Trotz alledem" wird zur Wiedereröffnung des Schottischen Parlamentes intoniert.

 Link ➨ 
Das war ‘ne heiße Märzenzeit,
Trotz Regen, Schnee und alledem!
Nun aber, da es Blüten schneit,
Nun ist es kalt, trotz alledem!
Trotz alledem und alledem -
Trotz Wien, Berlin und alledem -
Ein schnöder scharfer Winterwind
Durchfröstelt uns trotz alledem!

Das ist der Wind der Reaktion
Mit Meltau, Reif und alledem!
Das ist die Bourgeoisie am Thron -
Der annoch steht, trotz alledem!
Trotz alledem und alledem,
Trotz Blutschuld, Trug und alledem -
Er steht noch und er hudelt uns
Wie früher fast, trotz alledem!

Die Waffen, die der Sieg uns gab,
Der Sieg des Rechts trotz alledem,
Die nimmt man sacht uns wieder ab,
Samt Kraut und Lot und alledem!
Trotz alledem und alledem,
Trotz Parlament und alledem -
Wir werden unsre Büchsen los,
Soldatenwild trotz alledem!

Doch sind wir frisch und wohlgemut,
Und zagen nicht trotz alledem!
In tiefer Brust des Zornes Glut,
Die hält uns warm trotz alledem!
Trotz alledem und alledem,
Es gilt uns gleich trotz alledem!
Wir schütteln uns: Ein garst'ger Wind,
Doch weiter nichts trotz alledem!

Denn ob der Reichstag sich blamiert
Professorhaft, trotz alledem!
Und ob der Teufel reagiert
Mit Huf und Horn und alledem -
Trotz alledem und alledem,
Trotz Dummheit, List und alledem,
Wir wissen doch: die Menschlichkeit
Behält den Sieg trotz alledem!

So füllt denn nur der Mörser Schlund
Mit Eisen, Blei und alledem:
Wir halten aus auf unserm Grund,
Wir wanken nicht trotz alledem!
Trotz alledem und alledem!
Und macht ihr's gar, trotz alledem,
Wie zu Neapel jener Schuft:
Das hilft erst recht, trotz alledem!

Nur, was zerfällt, vertretet ihr!
Seid Kasten nur, trotz alledem!
Wir sind das Volk, die Menschheit wir,
Sind ewig drum, trotz alledem!
Trotz alledem und alledem:
So kommt denn an, trotz alledem!
Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht -
Unser die Welt trotz alledem!

11.3.08 
[Letzte Aktualisierung 20.5.13] Das #Vorarlberger Bloghaus verlinkt interessante Weblogs.


Historisches Naturfreunde-Liederbuch "Berg frei"

Froh zu sein bedarf es wenig. Das leben und singen viele NaturfreundInnen. Mitten in der deutschen Revolution 1918/1919 erschien "Berg frei! Ein Wander-Liederbuch", herausgegeben von den Naturfreunden, Ortsgruppe Mannheim e.V. mit den Texten von 87 Volksliedern. Genehmigt in der Gauversammlung in Karlsruhe am 3. November 1919. Die Texte dieser Auflage finden sich im Internet.

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bei den Vorarlberger Naturfreunden:
Historisches Naturfreunde-Liederbuch "Berg frei"
13.7.10/20.3.12//

Badisches Wiegenlied

Das "Badische Wiegenlied" mit den Versen "Schlaf', mein Kind, schlaf' leis, dort draußen geht der Preuß'..." ist Ludwig Pfaus Abgesang auf die deutsche 1848er Revolution. Es ist weit mehr als nur eine Kritik des enttäuschten Revolutionärs und Demokraten an den Zuständen und an der Kartätschen-Reaktion.



Badisches Wiegenlied. Ende 1847 kommt Ludwig Pfau nach Stuttgart und will ein eigenes Satireblatt nach dem Vorbild der "Fliegenden Blätter" machen. Im Januar 1848 erscheint auch tatsächlich die erste Nummer des "Eulenspiegel". Ludwig Pfau engagiert sich für demokratische und republikanische Ziele nicht zuletzt im württembergischen Landesausschuss. Der Text wurde erstmalig am 8. Dezember 1849 im "Eulenspiegel" veröffentlicht.

:::LINK mp3:::>   Notenblatt Schlaf', Kindlein, schlaf'!
      
Kontrafaktur. Meist wird der Text zur Melodie "Schlaf Kindlein Schlaf" gesungen. Oft werden im politischen Lied bekannte Melodien verwendet. Man spricht dann von Kontrafaktur: auf eine bekannte Melodie wird ein neuer Text gesungen. Im allgemeinen geschieht dies aus folgenden Gründen: Die Melodie ist schnell verfügbar, sie muss nicht eigens erlernt werden. Die Vertrautheit und Attraktivität werben für die jeweilige Position. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf den Text, weil die Melodie geläufig ist. Der Inhalt ist leichter zu behalten, weil er durch Melodie und Rhythmus gestützt ist.

:::LINK mp3:::>   Free mp3: Badisches Wiegenlied

Kartätschenprinz.   Das Badische Wiegenlied war ein Beitrag Pfaus zum badisch-pfälzischen Aufstand und zu den Rastatter standrechtlichen Erschießungen der vielen Aufständischen, denen die Flucht in die Schweiz und von dort nach Frankreich oder Amerika nicht gelungen war. Es drückt die Enttäuschung über das Bürgertum, den deutschen Michel aus, das wieder seine Chancen auf Demokratie, Republik und Fortschritt verschläft und "nieder kartäscht"  in das Untertänigkeitsverhältnis zurück fällt. Es zielte  auf die Brutalität mit der Prinz Wilhelm von Preussen, der spätere Deutsche Kaiser Wilhem I., zuerst die Berliner Demonstration und später dann den Aufstand am Oberrhein niedergeschlagen, "nieder kartäscht" hatte, wie die Zeitgenossen meinten, weshalb sie diesen, nun wieder am Deutschen Eck zu Koblenz als Reiterstandbild zu besichtigenden Fürsten den Beinamen "Kartätschenprinz" gaben.

:::LINK mp3+Text:::>   Badisches Wiegenlied

        1. Schlaf', mein Kind, schlaf leis',
        Dort draußen geht der Preuß',
        Deinen Vater hat er umgebracht,
        Deine Mutter hat er arm gemacht,
        Und wer nicht schläft in guter Ruh',
        Dem drückt der Preuß' die Augen zu.

        Refrain:
        Schlaf', mein Kind, schlaf leis',
        Dort draußen geht der Preuß'

        2. Der Preuß' hat eine blut'ge Hand,
        Die streckt er über's badische Land,
        Wir alle müßen stille sein
        Als wie dein Vater unterm Stein.
        Refrain

        3. Zu Rastatt auf der Schanz',
        Da spielt er auf zum Tanz,
        Da spielt er auf mit Pulver und Blei,
        So macht er alle Badener frei.
        Refrain

        4. Gott aber weiß, wie lang er geht,
        Bis dass die Freiheit aufersteht,
        Und wo dein Vater liegt, mein Schatz,
        Da hat noch mancher Preuße Platz.
        Schrei, mein Kindlein, schrei's:
        Dort draußen liegt der Preuß!

Zuerst erschienen im Stuttgarter "Eulenspiegel", 8. Dezember 1849.

:::LINK Text:::>   Badisches Wiegenlied

Ludwig Pfau. In der Revolution von 1848 wirkte er als Publizist und Herausgeber des satirischen Wochenblattes "Eulenspiegel". Württembergische Gerichte warfen ihm vor, auch in Württemberg - ähnlich wie in Baden - den Umsturz anzustreben. Von verschiedenen Gerichten in Württemberg wurde er verurteilt. Als Mitglied der "Schwäbischen Legion" zog er sich nach der gescheiterten Badischen Revolution im Juli 1849 in die Schweiz zurück. Danach muss das Lied entstanden sein. 1865 kehrte Pfau nach Stuttgart zurück und lebte hier bis 1894.

:::LINK Text:::>   Ludwig Pfau und sein satirisches Wochenblatt "Eulenspiegel"

Quellenhinweis: Badisches Wiegenlied. Für eine Singstimme mit Begleitung des Piano-Forte.
Zum Besten deutscher politischer Flüchtlinge. [Straßburg 1849.] 3 S.
Liedanfang: "Schlaf’ mein Kind schlaf leis’"
(Standort: Bibliothèque Municipale de Strasbourg: A 13,824)

Faksimiledruck in: Barbara James und Walter Moßmann: Glasbruch 1848. Flugblattlieder und Dokumente einer zerbrochenen Revolution. Darmstadt u. Neuwied: Luchterhand 1983. S. 129-131. (Sammlung Luchterhand. 462)
3.4.11/25.2.12/

Deutschamerikanische Lyrik der Achtundvierziger

Ein selten schönes und wertvolles Fundstück aus dem Web, das sich herunterzuladen lohnt! Besonders schön die"Flip-Datei". Hier kann man in dem digitaliserten Buch wie in einem richtigen Buch blättern und lesen. Und auch als "Print-on-Demand" kann sich der Sammler und Forscher das schöne Stück bestellen.

Das Buch von Gottlieb Betz, 1916 an der Univerisity of Pennsylvania verlegt, ist als Online-Angebot in mehrer Hinsicht ein starkes Offert. Einerseits erhellt es deutsch/österreichische Revolutionsgeschichte, erhellt welche kluge Köpfe an Amerika "Deutschland" immer wieder verloren hat, hat einen umfassenden Anhang mit patriotischer Lyrik und ist sowohl als PDF-Datei wie auch als Flip (ein digtialisiertes Buch am Bildschirm) zum Blättern und Lesen am Bildschirm vorhanden. Auch digital ein Sammlerstück und einmaliger Forschungs- und Lehrbehelf ...

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Deutschamerikanische Lyrik der Achtundvierziger
15.3.08/15.1.12/

Buchenwaldlied

Eigentlich fühlte sich Fritz Beda Löhner sicher: "der Hitler mag meine Musik", soll er gesagt haben. Hitler war ja Fan von Franz Lehars Operetten. Aber schon am 1. April 1938 ging der erste sogenannte "Prominententransport" mit 151 Personenvon Wien nach Dachau. Darunter Fritz Beda Löhner, Schöpfer des Buchenwald-Marsches.


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Rezension - Fritz Cremer: Nur Wortgefechte? Schriften, Reden, Briefe  



Gedenkstätte. Am 14. September 1958 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eingeweiht, in deren Mittelpunkt die Plastik des Bildhauers Fritz Cremer steht. Auf dem fertigen Sockel standen aber nur provisorisch bronzierte Gipsfiguren, denn die SED-Führung akzeptierte erst den dritten Entwurf. Aber immerhin: Die damalige DDR hatte das erste deutsche Denkmal für die Opfer des Faschismus geschaffen. Das vom Bildhauer Fritz Cremer 1958 fertiggestellte Werk gilt auch heute noch als erstes und bedeutendstes Mahnmal zur Erinnerung an die Gräuel der NS-Konzentrationslager in Deutschland.


1954 hatte Fritz Cremer den Auftrag bekommen, ein Denkmal für die Gedenkstätte Buchenwald zu schaffen. Die Plastik besteht aus einer Gruppe von elf Bronzefiguren, die KZ-Häftlinge darstellen: Kahle Schädel, zerlumpte Kleidung, ausgemergelte Körper. Doch: In der Gruppe sind keine wehrlosen Opfer, sondern heroische Sieger dargestellt. Die von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgten Juden, Roma oder Homosexuellen tauchen so nicht auf, denn die SED-Führung hatte bereits zwei Entwürfe des Bildhauers abgelehnt. Die Nationale Mahn- und Gedenkstätte musste auch den Gründungsmythos für die DDR untermauern. Weder Waffen- noch Fahnenträger kamen ursprünglich darin vor. Als 1956 endlich der dritte Entwurf genehmigt wurde, war man mit dem Plansoll arg im Verzug. Deshalb wurden zur Einweihung des Glockenturms im September 1958 provisorisch bronzierte Gipsfiguren auf den fertigen Sockel gestellt. Die monumentalen bis zu vier Meter großen Figuren kamen erst im Sommer 1959 an ihren endgültigen Platz und sind seitdem Symbol für die Opfer und Toten das KZ Buchenwald.


Buchenwald. Die Nationalsozialisten hatten ab 1937 auf dem Ettersberg 250.000 Menschen aus ganz Europa interniert, 56.000 von ihnen kamen dort im Rahmen des Programms "Vernichtung durch Arbeit" ums Leben (Am 14. September 1942 notierte Reichsjustizminister Thierack als Ergebnis einer Aussprache mit Goebbels: "Hinsichtlich der Vernichtung asozialen Lebens steht Dr. Goebbels auf dem Standpunkt, daß Juden und Zigeuner schlechthin (...) vernichtet werden sollen. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der beste.") Am 11. April 1945 traf die heranrückende US-Armee auf noch rund 21.000 Überlebende.


Im Dezember 1938 forderte "Schutzhaftlagerführer" Arthur Rödl die Häftlinge auf, ein Lagerlied für Buchenwald zu schreiben. Die beiden österreichischen Häftlinge Fritz Löhner-Beda und Hermann Leopoldi schufen in kürzester Zeit das dreistrophige Buchenwaldlied. Als Marschlied spielte es die Lagerkapelle zum Ein- und Auszug der Arbeitskolonnen.


Link ➨       Text: Buchenwaldlied
Wenn der Tag erwacht, eh' die Sonne lacht,
die Kolonnen zieh'n zu den Tages Müh'n
hinein in den grauenden Morgen.
Und der Wald ist schwarz und der Himmel rot,
und wir tragen im Brotsack ein Stückchen Brot
und im Herzen, im Herzen die Sorgen.

O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen,
weil du mein Schicksal bist.
Wer dich verließ, der kann es erst ermessen,
wie wundervoll die Freiheit ist!
O Buchenwald, wir jammern nicht und klagen,
und was auch unser Schicksal sei,
wir wollen trotzdem ja zum Leben sagen,
denn einmal kommt der Tag: Dann sind wir frei!

Und das Blut ist heiß und das Mädel fern,
und der Wind singt leis', und ich hab' sie so gern,
wenn treu sie, ja, treu sie nur bliebe!
Und die Steine sind hart, aber fest unser Tritt,
und wir tragen die Picken und Spaten mit
und im Herzen, im Herzen die Liebe.

O Buchenwald, ...

Und die Nacht ist kurz, und der Tag ist so lang,
doch ein Lied erklingt, das die Heimat sang:
wir lassen den Mut uns nicht rauben!
Halte Schritt, Kamerad, und verlier nicht den Mut,
denn wir tragen den Willen zum Leben im Blut
und im Herzen, im Herzen den Glauben.

O Buchenwald, ...


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Noten: Buchenwaldlied

Prominententransport. Am 1. April 1938 ging der erste sogenannte "Prominententransport" mit 151 Personenvon Wien nach Dachau. Darunter Fritz Beda Löhner, der Librettist Lehars Operetten und Schöpfer vieler Gassenhauer der 20-er Jahre ("Was machst Du mit dem Knie lieber Hans", "Ausgerechnet Bananen", "Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren", ...) - und des Buchenwald-Marsches.


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Noch bevor der deutsche Einmarsch in den Morgenstunden des 12. März 1938 begann, landeten auf dem Asperner Flughafen in Wien SS-Chef Heinrich Himmler und seine Truppe, die sofort mit der Verhaftung der politischen Gegner begann. Richard Schmitz, Leopold Figl, Friedrich Hillegeist und Franz Olah zählten zu den ersten, die den SS-lern in die Hände fielen. Die SA durchsuchte die nach Osten abgehenden Züge auf freier Strecke nach Flüchtlingen. Und auch schon bevor am 10. April 1938 die hitlerische Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich begann, fuhren die ersten Züge in die Konzentrationslager.


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Die "Prominenten" waren Christlichsoziale, Sozialdemokraten, Monarchisten (Legitimisten), Kommunisten: Friedrich Bock, der spätere ÖVP-Vizekanzler, der SPÖ-Stadtrat Robert Danneberg, Wiens Bürgermeister Richard Schmitz, Niederösterreichs Landeshauptmann Josef Reither, die späteren Bundeskanzler Leopold Figl und Alfons Gorbach, der spätere ÖGB-Präsident und Innenminister Franz Olah, Viktor Matejka, Ludwig Soswinski, der Richter Alois Osio, die Künstler Fritz Beda Löhner und Heinrich Sussmann standen neben zahlreichen anderen auf der Transportliste. Eigentlich fühlte sich Fritz Beda Löhner sicher: "der Hitler mag meine Musik", soll er gesagt haben. Hitler war ja Fan von Franz Lehars Operetten.


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Kulturwanderung: 10. Jänner-  Franz Lehar             

Etwa 50-60 Menschen des ersten "Prominententransportes" waren bereits jüdischer Religion oder Herkunft. Von Anfang an waren die österreichischen Juden die vom nationalsozialistischen Regime am schärfsten verfolgte Gruppe. Zahlreiche Transporte nach Dachau folgten, u. a. am 31. Mai und am 3. Juni 1938 mit je 600 jüdischen Häftlingen; schließlich erreichten die KZ-Einweisungen aus Österreich während des Novemberpogroms 1938 einen ersten Höhepunkt, als 3.700 Juden aus Wien in das KZ Dachau gebracht wurden. Weitere Transporte mit österreichischen Juden gingen in das KZ Buchenwald. Aus allen vorliegenden Berichten geht hervor, dass es während des Transportes und insbesondere bei der Ankunft in Dachau ständig zu Demütigungen und Misshandlungen der Häftlinge seitens des begleitenden SS-Personals kam. "Faules, verjudetes und verpfafftes Kaffeehausgesindel" waren die Österreicher im Jargon der SS. Der erste in Dachau umgekommene Österreicher war der am 28. April 1938 in den Selbstmord getriebene Hans Kotanyi, Gesellschafter der gleichnamigen Paprikamühle; Josef Kende wurde am 24. Oktober 1938 das erste österreichische Opfer im KZ Buchenwald. Ab dem Novemberpogrom 1938 waren oft und nahezu jeden Tag mehrere jüdische Opfer zu beklagen. Während 1938/39 noch Entlassungen von jüdischen KZ-Häftlingen - bei Vorliegen von Einreisedokumenten für andere Länder - möglich waren, setzte nach Kriegsausbruch 1939 im KZ Buchenwald ein permanenter Massenmord an Juden ein, der als Vorstufe des Holocaust anzusehen ist.

Prominente und Prominente. Vom Prominententransport nicht betroffen waren die wirklich Prominenten. Sie hatten sich arrangiert. Der christlich-soziale Politiker Wilhelm Miklas war vom 10.12.1928 bis 13.3.1938 Bundespräsident. Seine Amtsführung dienerte dem Faschismus, weil er weder 1933 die Ausschaltung des Nationalrats verhinderte, noch die Regierungsarbeit auf Grund des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes untersagte. Seine Amtszeit wäre nach sechs Jahren abgelaufen gewesen, trotzdem repräsentierte er weiter für den faschistischen Ständestaat. Doch 1938 zeigte er noch einmal ein Fünkchen Mut, ließ sich doch auch diesen abkaufen. Er trat 1938 zurück, um die rechtmäßige Entstehung des Anschlussgesetzes im Sinne der Verfassung aus dem Jahre 1934 nicht unterzeichnen zu müssen, und erhielt dafür eine "Ehren-Pension" von Adolf Hitler zugesprochen.

Der glücklose Kanzler Kurt Schuschnigg versuchte, in einer Erklärung vom 11. Juni 1938 seine Politik im Nachhinein zu rechtfertigen. Er schloss diese Erklärung mit den Worten: "Persönlich erkläre ich meinen festen und freien Willen, in bedingungs- und vorbehaltloser Loyalität zu Führer, Reich und Volk zu stehen, und wäre froh, der deutschen Sache dienlich sein zu können". Dass der Prominente es auch noch unter den Nazis besser hatte und eine Behandlung erfuhr, von der die im "Prominententransport" nur träumen konnten, zeigt ein Auszug aus den Wachvorschriften der Gestapo Wien vom 8. September 1938: "Dem Sch. ist das Betreten des WC auf Verlangen zu gestatten. Vor dem Betreten muss jedoch das Fenster des WC geschlossen werden. Der diensthabende Wachtmeister hat den Sch. auch während des Aufenthaltes im WC in taktvoller Weise zu überwachen. Die Tür zum WC ist während des Aufenthaltes des Sch. in diesem Raum nicht ganz zu verschließen, so dass eine Überwachungsmöglichkeit besteht . . . Außerdem ist es dem Sch. gestattet, sich Obst und Zigaretten besorgen zu lassen . . . der Wachhabende hat darauf zu achten, dass kein übermäßiger Verbrauch von Alkohol und Zigaretten erfolgt. Falls Sch. an einem Tag mehr als 30 Zigaretten verlangt, ist auf Zimmer 316 Meldung zu erstatten."


Der ehemalige Vorarlberger Heimwehrführer und Landeshauptmann Otto Ender, Kurzzeit -Bundeskanzler und Schöpfer der austrofaschistischen Maiverfassung von 1934, der bis zum Anschluss noch Rechnungshofpräsident war, ließ sich nach 1945 als Verfolgter des Nazi-Regimes bezeichnen. Dem Demokratiefeind hatten die Nazis nicht mehr getan als ihn zu beobachten. Miklas hatte Otto Ender in den Märztagen des Jahres 1938 zweimal gebeten das Amt des Bundeskanzlers zu übernehmen, damit er nicht den Nazi Seyß-Inquart bestellen müsse. Doch Otto Ender drückte sich feige und arrangierte sich in der Folgezeit.

Fritz Beda Löhner. Schon am 13. März 1938 wurde Löhner festgenommen und in das Gefangenenhaus auf der Elisabethpromenade gebracht, am 1. April im "Prominenten-Transport Nr. 1" ins KZ Dachau verfrachtet, im September weiter ins KZ Buchenwald. Dort entstand der "Buchenwald-Marsch", dessen Musik Hermann Leopoldi schrieb. 1942 wurde Löhners Frau, deren Mutter sowie die beiden Töchter nach Minsk deportiert und Fritz Löhner ins KZ Auschwitz-Monowitz verlegt, wo die IG-Farben ein Werk errichten ließ. Eines Tages kamen fünf Direktoren von der IG-Farben, sahen diesen Mann, der sich so dahinschleppte und einer sagte "Der Jude da könnte auch schneller arbeiten" – und das war das Todesurteil. Kurz darauf wird Fritz Löhner von einem Kapo brutal zusammengeschlagen. Er stirbt am 4. Dezember 1942 in der Krankenbaracke.

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Fritz LÖHNER-BEDA

In Wien aufgewachsen, veröffentlicht er schon als Schüler satirische Gedichte, wird bekannt als scharfzüngiger Feuilletonist. Er verfasst Drehbücher für den Stummfilm, schreibt Sketche für den jungen Hans Moser. Seine Welt sind die Kaffeehäuser, wo sich das Künstlervölkchen trifft - er wird berühmt.

Den ganz großen Durchbruch hatte Fritz Löhner-Beda Ende der 20er Jahre als Librettist des Operettenfürsten Franz Lehar. "Das Land des Lächelns" wird ihr größter Erfolg - mit Richard Tauber in der Hauptrolle. Tauber wird durch das "Tauber-Lied" weltberühmt. Die Schallplatte wird zum Mega-Seller der Saison - und macht Löhner zum Tantiemenmillionär. Er ist auf dem Höhepunkt seines Erfolges. Die für Lehar geschriebenen Operetten "Friedericke" und "Giuditta" werden nicht nur an der Wiener Staatsoper gefeiert.

Auch Hitler zählt zu den Fans der schmalzigen Stücke. Franz Lehar ist sein Lieblingskomponist.
"Freunde, das Leben ist lebenswert", heißt einer der beliebtesten Songs im Wunschkonzert des Weltkriegsdeutschlands. Was die Deutschen nicht wissen, nicht wissen dürfen: der Autor des Liedes ist der Jude Fritz Löhner-Beda. Er muss noch im KZ für die gute Laune und die Propaganda der Nazis herhalten. Und wer kennt sie nicht noch heute, die Gassenhauer: "Was machst Du mit dem Knie lieber Hans", "Ausgerechnet Bananen", "Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren", ...


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Hermann LEOPOLDI 

Hermann Leopoldi. Er wird am 15. August 1888 als Hermann Kohn in Wien/Meidling geboren.Der Sohn eines Musikers erhält Klavierunterricht beim Vater, ab dem 16. Lebensjahr Musiker. Nach Ende des Ersten Weltkrieges gründet er mit dem Komiker Fritz Wiesental das Kabarett Leopoldi-Wiesental. Zwischenspiel in Berlin, Rückkehr nach Wien. In den 1920er und 30er Jahren einer der populärsten Wienerlied- und Schlagerkomponisten. 1937 erfolgt die Verleihung des Österreichischen Silbernen Verdienstzeichen. 

1938 Leopoldi wird in die Konzentrationslager Dachau und später Buchenwald deportiert, wo er auf Anordnung des Lagerkommandanten mit Dr. Fritz Beda-Löhner das Buchenwaldlied schuf, welches die KZ-Insassen beim Marschieren singen mußten. 1939 wird Hermann Leopoldi von seiner Familie 'freigekauft' und kann nach New York emigrieren.

Barpianist im Old Vienna. Als Duo mit der Österreicherin Helly Möslein wird er mit der englischen Version des Wiener Liedes Ein kleines Cafe in Hernals in ganz Amerika berühmt. 1947 kehrt das Duo auf Einladung Bürgermeister Körners nach Wien zurück. Tourneen durch Österreich, Deutschland und die Schweiz, Schallplatten und Film. 1958 erhält er das "Goldene Verdienstzeichens der Republik Österreich". Am 28. Juli 1959 stirbt Hermann Leopoldi an den Folgen eines Herzinfarkts. Hermann Leopoldis Ringelspiel, Powidl Tatschkerl oder Schnucki .. fohr' ma nach Kentucky sind bis heute unvergessen.
25.6.11/10.1.12/

Dachaulied

Am 13. März 1938 wurde Jura Soyfer in Gargellen beim Versuch, mit Skiern in die rettende Schweiz zu kommen, von übereifrigen Vorarlberger Zollbeamten verhaftet. Sie waren noch auf den austrofaschistischen Ständestaat vereidigt und waren bereits willige Helfer des Deutschen Reiches.

Vom Gemeindekotter in St. Gallenkirch, nach Bludenz in den Arrest und ins Landesgericht Feldkirch ging sein Weg. Schließlich nach Dachau (dort schrieb mit Herbert Zipper das "Dachaulied") und Buchenwald - und mit 26 Jahren in den Tod. ...

Link ➨ Free mp3: Dachaulied (Text, Noten, mp3, Hintergründe)
10.3.08/30.10.11/

Politische Lieder des 19. Jahrhunderts

Ein Seminar-Skript von Frau Dr. Gisela Probst-Effah, (Sommersemester 2007, Köln), das einige ausgewählte Lieder thematisiert, liefert eine schnelle Information. Es ist immer ein politisches ("garstiges"?) Lied, von Haydns Kaiserhymne bis zu den Liedern der 1848er-Revolution, die thematisiert sind. Und dort wo der Lindenbaum oder La Paloma besprochen sind, leuchten die politischen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts durch. Das Seminar-Skript steht online zum Download zur Verfügung.

Bitte beachten Sie die Urheberrechte.

Inhalt

  • Das „Lied der Deutschen“
  • Die „Internationale“
  • Die „Marseillaise“
  • Friedrich Silcher; „Der Lindenbaum“; „Loreley“
  • „La Paloma“
  • Weberlieder („Das Blutgericht“; Heinrich Heine: „Die schlesischen Weber“)
  • Auswanderung
  • Lieder der Revolution von 1848/49


Dr. Gisela Probst-Effah vom Institut für Europäische Musikethnologie in Köln ist mit ihren Foschungsschwerpunkten "Folkbewegung", "Lieder in der NS-Zeit", "Musik und Rassismus" und "Das 20. Jahrhundert im Spiegel seiner Lieder" bekannt geworden.

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Lieder des 19. Jahrhunderts - (Seminar Probst-Effah, Sommersemester 2007) 

Die Moorsoldaten - Lied vom Börgermoor

Nach dem Reichstagsbrand am 27.Februar 1933 wurde Wolfgang Langhoff verhaftet. In die Schweiz geflohen, veröffentlichte er bereits 1935 im Schweizer Spiegel Verlag in Zürich den Tatsachenbericht "Die Moorsoldaten".  Der zutiefst menschenverachtende Charakter des Faschismus zeigte sich in einer unbeschreiblichen Grausamkeit.
 
Die Moorsoldaten. Es ist eines der ersten öffentlichen Dokumente über das wahre Gesicht des Dritten Reiches und einer der ersten Versuche, die Welt zu warnen und zur Abwehr der drohenden Gefahr aufzurufen. Wolfgang Langhoff erzählt in seinem Buch auch die Geschichte der Entstehung des KZ-Liedes "Die Moorsoldaten". Es entstand in den Moor-Konzentrationslagern, einer Kette von fünfzehn Konzentrationslagern, die 1933 in Nazi-Deutschland gegründet wurden und die unter dem gemeinsamen Namen Emslandlager bekannt waren. Einer der bekanntesten Gefangenen war der Journalist und Pazifist Carl von Ossietzky, der 1933 ein Gefangener in Esterwegen war und 1935 den Friedensnobelpreis erhielt.

Dem institutionalisierten Terror, der in einer breiten Skala von Schikanen, Gewalttätigkeiten und sich widersprechenden Anordnungen bestand, um aus dem Häftling entweder einen "Volksgenossen" zu machen oder ihn (damals noch "nur") in den Selbstmord zu treiben, setzen die Gefangenen Widerstand entgegen. Die Lagerordnung, die die Häftlinge im Barackenbereich zu einer Art Selbstverwaltung verpflichtete, gestattete es, eine "geheime Leitung" aufzubauen, die ein Kontaktnetz errichtete und auf das praktische wie das politische Verhalten im Lager Einfluss nahm. Die Bemühungen um ideologischen Ausgleich und die Solidarität im Überlebenskampf aller Gruppen ermöglichten eine Verständigung der Häftlinge untereinander, von der das Moorsoldatenlied berichtet. Hier schreibt Johann Esser, ein Gewerkschafter die Urfassung von "Wir sind die Moorsoldaten", das wahrscheilich erste - und wohl bekannteste - KZ-Lied, das von Wolfgang Langhoff überarbeitet und  - ergänzt durch den Refrain -  mit einer Melodie nach Rudolf Goguel in die heute bekannte Form gebracht wurde.


Im Konzentrationslager Börgermoor bei Papenburg werden 1933 in einer Nacht die Gefangenen von den SS-Wachen unmenschlich verprügelt. Nach dieser "Nacht der langen Latten" entsteht bei den Insassen der Plan, etwas für die eigene Ehre zu tun. Man will an einem Sonntag eine Theatervorstellung aufführen, den "Zirkus Konzentrazani", um den Peinigern zu zeigen, dass die Gefangenen nicht den Lebensmut verloren haben. Heimlich entsteht für diese Veranstaltung das Lied "Die Moorsoldaten". Am Schluss der Vorstellung erklingt es zum ersten Mal. Einer der Autoren, Wolfgang Langhoff, erinnert sich:

"Und dann hörten die Lagerinsassen zum ersten Mal das "Börgermoorlied", das inzwischen schon eine volksliedhafte Popularität erreicht hat. Einer sagte: "Kameraden, wir singen euch jetzt das Lied vom Börgermoor, unser Lagerlied. Hört gut zu und singt dann den Refrain mit."

"Schwer und dunkel im Marschrhythmus begann der Chor: "Wohin auch das Auge blicket ..." - Tiefe Stille! Wie erstarrt saß alles da, unfähig mitzusingen, und hörte noch einmal den Refrain: "Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor ..." (...). Leise und schwermütig begannen einige Kameraden mitzusummen. Sie blickten nicht nach rechts und nicht nach links. Ihre Augen sahen über den Stacheldraht weg - dorthin, wo der Himmel auf die endlose Heide stieß. (...) Ich sah den Kommandanten. Er saß da, den Kopf nach unten und scharrte mit dem Fuß im Sand. Die SS still und unbeweglich. - Ich sah die Kameraden. Viele weinten. (...)

"Auf und nieder gehn die Posten, Keiner, keiner, kann hindurch. Flucht kann nur das Leben kosten, ..." Diese Strophe hatten die Kameraden sehr leise gesungen und setzten plötzlich laut und hart mit der letzten Strophe ein:

"Doch für uns gibt es kein Klagen,
Ewig kann’s nicht Winter sein!
Einmal werden froh wir sagen:
Heimat, du bist wieder mein!
Dann ziehn die Moorsoldaten
Nicht mehr mit dem Spaten
Ins Moor!"

(...) Damit schloss unsere Veranstaltung, und die einzelnen Baracken zogen diszipliniert und ruhig in ihre Quartiere zurück."

Lied vom Börgermoor. Das Moorsoldatenlied wurde zwei Tage später vom Kommandanten verboten. Aber die SS-Leute kamen immer wieder und sagten: "Habt ihr nicht das Lied?" Wir haben es oft aufgeschrieben. In der Schreinerei haben wir Stämme schräg abgeschnitten und darauf die Verse geschrieben, auf diese Holzscheiben. Überhaupt hat uns das Lied viel geholfen. Wenn irgendeine Veranstaltung war, wenn ein Kamerad verabschiedet wurde, der entlassen wurde, dann haben wir für ihn die erste und meist auch die letzte Strophe gesungen."

(Wolfgang Langhoff: Wir sind die Moorsoldaten, Stuttgart 1974, S. 190ff.)

Lied vom Börgermoor

1. Wohin auch das Auge blickt.
Moor und Heide nur ringsum.
Vogelsang uns nicht erquickt,
Eichen stehn kahl und krumm.
Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor!

2. Hier in dieser öden Heide
ist das Lager aufgebaut,
wo wir fern von jeder Freude
hinter Stacheldraht verstaut.
Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor!

3. Morgens ziehen die Kolonnen
in das Moor zur Arbeit hin,
graben bei dem Brand der Sonne,
doch zur Heimat steht der Sinn.
Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor!

4. Heimwärts, heimwärts! Jeder sehnet
sich nach Eltern, Weib und Kind.
Manche Brust ein Seufzer dehnet,
weil wir hier gefangen sind.
Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor!

5. Auf und nieder geh´n die Posten,
keiner, keiner kann hindurch,
Flucht wird nur das Leben kosten,
vierfach ist umzäunt die Burg.
Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor!

6. Doch für uns gibt es kein Klagen,
ewig kann´s nicht Winter sein.
Einmal werden froh wir sagen: Heimat,
Du bist wieder mein!
Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit dem Spaten in´s Moor!
Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit dem Spaten in´s Moor!

Lieder des aufrechten Ganges. Der zutiefst menschenverachtende Charakter des Faschismus zeigte sich in einer unbeschreiblichen Grausamkeit in den Konzentrationslagern. In diesen wurden Menschen, die auf Grund ihrer politischen, religiösen, ethnischen oder sexuellen Identität von den faschistischen Machthabern nicht geduldet wurden, inhaftiert und planmäßig ermordet. Millionen starben in Gaskammern oder vielfach schon zuvor an den Folgen der zerstörenden Zwangsarbeit, die sie für die staatlichen Betriebe, sowie unter anderem für Konzerne wie die IG Farben, Siemens, Krupp und Daimler-Benz leisten mussten. Unter diesen Bedingungen hatten für viele politische Häftlinge die Lieder eine äußerst wichtige Funktion. Sie trugen dazu bei, eine innere Stärke bzw. die Kraft zum Überleben und zum Widerstand zu bewahren. Im Konzentrationslager Börgermoor entstand 1933 mit dem von politischen Häftlingen getexteten und komponierten Stück "Die Moorsoldaten" eines der bekanntesten Widerstandslieder gegen den Faschismus. Daneben gibt es aber eine Reihe anderer, etwa das Buchenwaldlied, das von dem Librettisten Lehars stammt oder das Dachaulied von Jura Soyfer.

Leichtmatrose Wolfgang Langhoff. Wolfgang Langhoff wird 1901 in Berlin als Sohn eines gut situierten Kaufmanns geboren. Wenig später zieht die Familie nach Freiburg im Breisgau. 1916, mitten im 1. Weltkrieg, bricht Langhoff die Schule ab und verdingt sich ohne Einwilligung der Eltern als Schiffsjunge und Leichtmatrose. Zwei Jahre fährt er zur See. 1919 erhält der theaterbegeisterte Autodidakt am Schauspielhaus in Königsberg eine erste Chance. Er beginnt zunächst als Statist, kann aber schon einige Zeit später das Rollenfach des "jugendlichen Liebhabers" ausfüllen. Für eine Spielzeit wechselt Langhoff 1923/24 ans Thalia-Theater in Hamburg. Langhoff kommt zu einer Zeit, in der sich in Hamburg - wie im ganzen deutschen Reich in Folge der katastrophalen wirtschaftlichen Situation sich die politische Lage extrem zugespitzt hat. Revolutionäre Massenaktion stehen im Oktober 1923 unmittelbar bevor, die in Hamburg in einen bewaffneten Aufstand unter der Beteiligung der KPD münden. Der Aufstand beeindruckt den gerade 23-jährigen Langhoff nachhaltig und darf als Initialzündung für sein lebenslanges politisches Engagement gewertet werden. Auch für Langhoffs berufliche Karriere bedeutet die Hamburger Stippvisite an einer renommierten Spielstätte einen großen Sprung nach vorn.
       
Zwischen 1924 und 1928 erhält er ein Engagement als "Erster jugendlicher Liebhaber" am Staatstheater in Wiesbaden. In diese Zeit fällt auch die zunehmende Politisierung Langhoffs. Der "elegante Dandy" entwickelt sich zum "politischen Menschen". Im Februar 1928 nimmt er Kontakt zum Schauspielhaus Düsseldorf unter Louise Dumont und Gustav Lindemann auf und wird engagiert. Zur Spielzeit 1932/33 wird Langhoff als Regisseur und Schauspieler an die Städtischen Bühnen Düsseldorf engagiert. Andere Kollegen vom Schauspielhaus erhalten ebenfalls eine Chance. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten bedeutet auch für Langhoff persönlich eine scharfe Zäsur. Als exponiertes KPD-Mitglied steht er auf der Liste der Gefährdeten ganz oben. Noch am 15. Februar 1933 kann er seine Inszenierung des "Zerbrochenen Krugs" auf die Bühne bringen. Auch der Theaterzettel weist seinen Namen aus. Am 28. Februar 1933 wird Wolfgang Langhoff in seiner Düsseldorfer Wohnung wegen Vorbereitung zum Staatsstreich als einer der ersten Künstler in "Schutzhaft" genommen.

Zürcher Schauspielhaus. Währenddessen mobilisieren Schauspielkollegen von Langhoff in Zürich die Schweizer Öffentlichkeit. Demonstrativ wird bereits der inhaftierte Langhoff als Mitglied des Zürcher Schauspielhauses geführt. Die bescheidene Bühne mit ihren kümmerlichen räumlichen und finanziellen Möglichkeiten wird sich durch ihr herausragendes Ensemble, bestehend aus zahlreichen exilierten Schauspielern und dem Bühnenbildner Teo Otto, aber auch durch die engagierte Spielplanpolitik zur bedeutendsten deutschsprachigen Bühne zwischen 1933 und 1945 entwickeln. Selbst als der Rechtsbeistand Langhoffs das Engagementangebot des Zürcher Schauspielhauses im Sommer 1933 vorlegen kann, hält der Düsseldorfer Polizeipräsident : "... eine Entlassung noch nicht für angebracht und erachtet ein weiteres Verbleiben des Langhoff im Lager so lange für geboten, bis er durch willige Arbeit im Moor und durch sein gesamtes Verhalten beweise, dass er würdig sei, wieder seine Freiheit zu genießen".

Im November 1933 wird Langhoff nach Lichtenburg verlegt und am 31. März 1934 im Rahmen der Osteramnestie entlassen. Die Wiederaufnahme seiner schauspielerischen Tätigkeit ist unter den veränderten politischen Bedingungen nahezu aussichtslos. Auch droht ihm ständig eine erneute Verhaftung. Gewarnt durch einen Berliner Polizeibeamten gelingt Langhoff Ende Juni 1934 die Flucht in die Schweiz. Im September 1934 steht er zum ersten Mal auf der Bühne des Zürcher Schauspielhauses. Er ist Karl Moor, Fiesco, Peer Gynt, Tellheim und Geßler - am bedeutenden antifaschistischen Theater deutscher Sprache, Sammelpunkt zahlreicher Emigranten wie Therese Giehse, Therese Raky, Emil Stöhr, Karl Paryla, Wolfgang Heinz. 1943 gibt er im Parteiauftrag die illegale Zeitschrift "Freies Deutschland" heraus und gründet eine Gruppe gleichen Namens.

Von 1945 bis 1946 ist Langhoff Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, von 1946 bis 1963 Intendant des Deutschen Theaters Berlin. Er beherbergt zunächst auch Brechts Berliner Ensemble. Zu seinen wichtigsten Inszenierungen gehören "Faust" (1949 und 1954) und "Iphigenie von Tauris" von Goethe, "Don Carlos" von Schiller, "Minna von Barnhelm" von Lessing, "Die Schlacht bei Lobositz" und "Der Müller von Sanssouci", beides von Hacks.

Stalins Arm. 1950 droht dem West-Emigranten die Verwicklung in einen Schauprozess nach dem Muster des Rajk-Prozesses in Budapest. Es geht um Noel Field, einem angeblichen US-amerikanischen Geheimdienstagenten, mit dem Langhoff in der Schweiz Kontakt hatte. In Wirklichkeit ist Noel Feld ein eingeschriebenes KP-Mitglied und hatte in der Kriegszeit vielen Kommunisten über einen Quäker-Hilfsfond geholfen und ihre Ausreise finanziert. Die SED-Funktionäre Paul Merker, Bruno Goldhammer, Lex Ende, Leo Bauer, Maria Weiterer, Bruno Fuhrmann, Hans Teubner, Walter Beling und Wolfgang Langhoff werden in diesem Zusammenhang aller ihrer Funktionen enthoben und aus der SED ausgeschlossen. Bruno Bauer, Mitglied der KPD seit 1928 wurde als US-Agent und "Renegat" zum Tode verurteilt, zu Arbeitslager begnadigt, am 20.10.1955 in den Westen abgeschoben, er starb an den Folgen seiner Haft in Sibirien. Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn Willi Kreikemeyer verübt in diesem Zusammenhang in Haft Selbstmord. 1953 stirbt Stalin, der Prozess gegen Langhoff fällt aus und er wird 1956 rehabilitiert.

In den Jahren bis zu seinem Tod wechseln öffentliche Demütigungen und Ehrungen durch den Staat ständig. Von 1962 bis 1966 ist er Vizepräsident der Akademie der DDR. Langhoff ist der prägende Regisseur und Schauspieler des DDR-Theaters. Er bindet Heinar Kipphardt und Peter Hacks als Autoren (und Dramaturgen) ans Deutsche Theater.

Mit Peter Hacks Stück "Die Sorgen und die Macht" (1962), worin der Bergarbeiter und Frauenheld Fidorra, Brikettmacher, durch die stürmische, handfeste Liebe zur Glasarbeiterin Hede Stoll einsehen lernt, dass die Brikettfabrik nicht mehr allzu viele, aber schlechte Briketts fabrizieren solle, deren Untauglichkeit die Produktivität der Glasfabrik schädigt, verbrannte sich nicht nur Hacks die Finger bei den DDR-Bonzen sondern auch Langhoff stürzte als Intendant. Trotz vieler Fassungen wurde das Stück schließlich als obszön, subjektivistisch und dem Ernst der Produktionsschlacht unangemessen verboten. Langhoff tritt nach entwürdigender Selbstkritik vor dem Politbüro ein Jahr später als Leiter des Deutschen Theaters zurück, wird zum Ehrenmitglied der Bühne ernannt. Zuletzt wirkt er als Schauspieler am Berliner Ensemble (als Langevin in "Die Tage der Commune" von Brecht).

Wolfgang Langhoff stirbt am 25. August 1966.

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29.2.08/4.9.11/